Am 29. Oktober 2009 startete die aktuelle Auflage des Lehrganges Mediation.
Das Lehrgangskonzept findet immer wieder großes Interesse unter den Mitgliedern der drei beteiligten Freiberuflerkammern der Architekten und Ingenieurkonsulenten, der Wirtschaftstreuhänder und der Notare. Der Lehrgang bietet den Vertretern dieser Gruppen, deren gemeinsamer beruflicher Schwerpunkt in der Beratung ihrer Kunden (Bauherren, Klienten) liegt, die Möglichkeit, ihre Kompetenz in ihren - oft konfliktträchtigen - Kommunikationsbeziehungen effektiv und effizient einzusetzen.
Die Ausbildung, die den Standards des österreichischen Zivilrechtsmediations-Gesetzes entspricht, befähigt Sie als Teilnehmer und Mediator, in einem Konflikt Dritter tätig zu werden und ergänzt so das eigene Berufsbild. Zudem steigert sie Ihre Qualität in den eigenen Leistungsprozessen: Sie überblicken Situationen besser, erkennen kritische Erfolgsfaktoren, gewinnen Entscheidungssicherheit und finden aus entstandenen Konflikten auch wieder heraus. Die Verschmelzung der verschiedenen beruflichen Hintergründe im Lehrgang erweitert dabei Ihre Perspektive und eröffnet vielfältige Möglichkeiten der Vernetzung und der interdisziplinären Zusammenarbeit.
Ein hervorragendes, international reputiertes Trainerteam gewährleistet eine Ausbildung auf höchstem Niveau.
Lehrinhalte, Lehrgangsumfang und Lehrgangsprogramm Die Ausbildung zum Mediator umfasst 228 Ausbildungseinheiten und entspricht damit der Zivilrechts-Mediations-Ausbildungsverordung des Bundesministers für Justiz (BGBl. II Nr. 47/2004). Sie gliedert sich in sechs dreitägige Module (von Donnerstag bis Samstag) und zwei viertägige Module (von Mittwoch bis Samstag), die durch Reflexionseinheiten, durch die Arbeit in Netzwerkgruppen und durch Einzelsupervisionen ergänzt werden.
Lehrgangsprogramm
Modul 1: Grundlagen kooperativer Konfliktregelung durch Mediation
Vergleich und Einsatzmöglichkeiten alternativer Konfliktregelungsverfahren
Grundgedanken der Mediation: Eigenverantwortung und Flexibilität in klaren Strukturen
Konflikte erkennen und verstehen
Modul 2: Mediation als Kommunikationsprozess
Grundlagen der Kommunikation
Grundhaltungen der Gesprächsführung
Kommunikationstechniken üben und anwenden
Umgang mit schwierigen Gespächssituationen
Modul 3: Struktur und Ablauf einer Mediation
Phasen und Schritte einer Mediation
Übertragung der Grundstruktur auf andere Konfliktregelungsansätze
Politisch-rechtlicher Rahmen für Mediation und Stellung des Rechts in der Mediation
Modul 4: Besonderheiten der Mediation in den unterschiedlichen Feldern (zeitweises paralleles Arbeiten in mehreren Gruppen)
Besonderheiten im privaten Baubereich: Interessenklärung bei Mängeln und Terminverzug, Konflikte mit Subunternehmern u.a.
Besondere Aspekte bei innerbetrieblichen Auseinandersetzungen: Umgang mit Emotionen und Gefühlen, Umgang mit unterschiedlichen Hierarchieebenen am Tisch, Äußerer und innerer Auftraggeber u.a.
Besonderheiten bei Mediationen zwischen Unternehmen
Verhandeln und Argumentieren
Modul 5: Rolle und Haltung des Konfliktvermittlers
Analyse von Konflikten unter den Gesichtspunkten Verhandlung, Mediation, Schlichtung, Konfliktmoderation u.v.m.
Alternative Konfliktregelungsansätze in typischen Konfliktsituationen
Spezialisierung in verschiedenen Konfliktregelungsverfahren
Interventionsplanung und Umsetzung
Präventiver Einsatz von Mediationstechniken
Supervisionseinheiten
Modul 6: Vorbereitung einer Mediation und Verfahrensdesign in komplexen Strukturen (zeitweises paralleles Arbeiten in mehreren Gruppen)
Planung und Organisation einer Mediation in komplexen Strukturen: Erstkontakt, Angebotserstellung, Konfliktanalyse, Einstieg in die erste Sitzung u.a.
Design einer komplexen Mediation: Großgruppenprozesse und Konfliktbearbeitung
Delegiertenproblematik
Co-Mediation (Zusammenarbeit in der Mediation)
Arbeit mit großen Gruppen in den Phasen der Mediation (1. Teil)
Modul 7: Mediation bei größeren Projekten und Vielparteienkonflikten
Arbeit mit großen Gruppen in den Phasen der Mediation (Fortsetzung)
Gruppendynamik und Gruppenwissen
Experten in der Mediation
Kreativitätstechniken zur Entwicklung neuer Ideen und Lösungsoptionen
Supervisionseinheiten
Modul 8: Transfer in die Praxis
Rolle, Haltung und Selbstverständnis bei der Gestaltung der eigenen Praxis
Marketing und Netzwerke
Selbstreflexion und Perspektiven
Abschlussrituale in der Mediation
Supervisionseinheiten
Reflexion der Ausbildung
Abschlusszeremonie
Netzwerkgruppen: Vertiefungen und Reflexion
Selbstorganisierte Treffen zur Vertiefung und Reflexion der Modulinhalte (ohne Anwesenheit der Trainer/innen)
Inhalte und Themen der Netzwerkgruppen werden von den Teilnehmern selbst festgelegt
Netzwerkgruppen tagen zwischen den einzelnen Modulen
Erstellung von Protokollen (kurze Präsentation der Ergebnisse in dem jeweils darauf folgenden Modul) und Einbringen von offenen Fragen in die Ausbildungsmodule
Intervision von Erlebnissen und Erfahrungen im Kontext Mediation
Zertifikat Die Absolvierung des Lehrganges, die durch ein Abschlusszertifikat dokumentiert wird, begründet für die Mitglieder der Kammern der Architekten und Ingenieurkonsulenten, der Wirtschaftstreuhänder sowie der Notare einen Anspruch auf Eintragung in die vom Bundesministerium für Justiz geführte Mediatorenliste. Nichtmitglieder bitten wir, mit uns den Geltungsbereich für davon abweichende Berufsgruppen zu klären. Die veranstaltenden Akademien werden darüber hinaus den Absolventen Publizität geben, indem sie eine Liste der Lehrgangsabsolventen auch auf ihren jeweiligen Websites veröffentlichen.
Methoden Praxis- und ressourcenorientiert Das methodische Vorgehen ist praxis- und ressourcenorientiert. Die Ausbildungsmodule basieren auf einem Wechselspiel von theoretischen Inputs (um Wissen zu vermitteln und Anhaltspunkte für die eigene Reflexion zu schaffen), Rollenspielen und Übungen (um Erlerntes auszuprobieren und zu verfeinern) sowie Reflexionen um den Transfer in das eigene Handeln zu unterstützen.
Interdisziplinär und kontextspezifisch Der Lehrgang bietet viel Raum für ein interdisziplinäres Voneinander- und Miteinander-Lernen. Zeitweise teilt sich die Gruppe, um berufsspezifische Besonderheiten in den jeweiligen Arbeitsfeldern zu vertiefen. In der Supervision werden eigene Mediationsfälle sowie Erfahrungen der Teilnehmer aus dem beruflichen Umgang mit Konflikten unter den Gesichtspunkten der Mediation untersucht. Das eigene Vorgehen wird reflektiert, um neue Handlungsoptionen zu entwickeln.
Systematisch geleitet - aufeinander abgestimmt Die Kontinuität der Ausbildung wird durch ein in Mediation und Ausbildung erfahrenes, aufeinander abgestimmtes Trainerteam gewährleistet. Die Module werden - bei genügender Teilnehmerzahl - jeweils von zwei TrainerInnen geleitet. Darüber hinaus stehen die beiden Lehrgangsleiter den Teilnehmern als permanente Ansprechpartner zur Verfügung.
Hinweis: bei einer Teilnehmerzahl bis 16 Personen werden die Module von jeweils einer Trainerin bzw. einem Trainer geleitet